Ulrike Klöppel
Wissenschaftlicher Beirat der Internationalen Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen (IVIM)

Ulrike Klöppel ist seit 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Medizin der Charité mit den Arbeitsgebieten medizinhistorische Geschlechterforschung, Geschichte der Bakteriologie, Pharmaziegeschichte und Geschichte der Psychoendokrinologie.
1991 bis 1998 studierte sie am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin. 1996 bis 1998 und erneut 2003 war sie Mitarbeiterin im Weglaufhaus, einer anti-psychiatrischen Kriseneinrichtung. 1999 arbeitete sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Hygiene-Museum Dresden (Ausstellungsprojekte: Fremdkörper – Fremde Körper und Sex – vom Wissen zum Wünschen).
Seit 1994 hat sich Ulrike Klöppel historisch mit der medizinischen Sichtweise auf Intersexualität/Hermaphroditismus und der medizinischen Geschlechtsnormierung auseinandergesetzt. Daraus entstand 1996 die Abschlussarbeit in Psychologie und schließlich ihre Dissertation in der Soziologie, eingereicht 2008. 2010 ist ihr Buch XX0XY ungelöst: Hermaphroditismus, Sex und Gender in der deutschen Medizin im transcript-Verlag erschienen, das die Geschichte des medizinischen Umgangs mit Intersexualität vom 18. Jahrhundert bis heute untersucht.
Seit 2000 hat sich Ulrike Klöppel für die die wachsende Intersex-Bewegung und deren Kritik an der medizinischen Behandlung engagiert – auf Demonstrationen anlässlich medizinischer Fachtagungen über Intersexualität, in Vorträgen und Podiumsdiskussionen (die ersten behandlungskritischen Vorträge fanden 2001 vor medizinischem Publikum in Magdeburg und in Göttingen statt). Außerdem hat sie als Mitglied der AG Polymorph und der AG 1-0-1 intersex verschiedene Diskussionsveranstaltungen mitorganisiert: so 2001 Intersexualität – Politische Kontroversen (u.a.) mit Michel Reiter von der Arbeitsgemeinschaft gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie im Café Krähenfuß der Humboldt Universität zu Berlin oder 2002 die Tagung „(K)ein Geschlecht oder viele“ der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.
2005 hat Ulrike Klöppel zusammen mit Ins A Kromminga, Karen Scheper und anderen die Ausstellung 1-0-1 intersex. Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung sowie eine dazugehörige Veranstaltungsreihe in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst organisiert. Für die Ausstellung führte sie zusammen mit Jannik Franzen und Tino Plümecke ein kritisches Interview [pdf] über die Evaluationsstudie der Hamburger Forschergruppe Intersexualität. Die AG 1-0-1 intersex hat außerdem zusammen mit verschiedenen Gruppen eine Protestveranstaltung beim 5. Berliner Symposium für Kinder- und Jugendgynäkologie, bei dem es um Intersexualität ging, organisiert.
Seit 2006 hat Ulrike Klöppel an der Charité jährlich ein Ethikseminar gegeben, in dem Medizinstudierenden die Kritik intergeschlechtlicher Menschen am Behandlungsvorgehen, der Zusammenhang mit der Zwei-Geschlechter-Norm und die (menschen-)rechtliche Problematik nahe gebracht wird. Im Rahmen dieser Seminare fand jeweils eine Diskussionsrunde mit intergeschlechtlichen Menschen aus Berlin statt.
Eine Reihe von Ulrike Klöppels Artikeln sind darauf ausgerichtet, die Kritik an der medizinischen Umgangsweise mit Intersexualität einem breiteren Publikum zu vermitteln. Zuletzt hat sie das Sonderheft GID-Spezial (Nr. 9/2009) mit dem Titel Aus dem Bio-Baukasten: SeXY Gene für das Gen-ethische Netzwerk zusammengestellt und redaktionell mitbetreut, in dem sich mehrere Beiträge zu Intersexualität finden.
Eine Liste der wissenschaftlichen Publikationen findet sich hier [pdf].
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